Die große Lüge Spielerschutz

Die Glücksspiellobby läuft in Österreich gerade wieder auf Hochtouren. Mit einer Vielfalt an bezahlten Anzeigen werden Medien wieder gefügig gemacht.

Das gab es schon einmal im Jahr 2010. Das Ziel dabei war, sämtliche Konkurrenz vom Glücksspielmarkt zu vertreiben und ein Monopol für nur wenige Anbieter zu installieren.

Ordentlich arbeitende Betriebe, die viele Mitarbeiter beschäftigten und Unmengen an Steuern zahlten, wurden dabei ruiniert.

Aber wie war das möglich?

Das Zauberwort dazu heißt schlicht und einfach "Spielerschutz"!

Dieses Wort, das gerade in diesem sensiblen Geschäftsbereich größte Bedeutung verdient hätte, wurde dazu missbraucht, um für wenige Unternehmer ein Monopol zu schaffen. In elends langen Gesetzestexten wurde dieser angebliche Spielerschutz niedergeschrieben, um den Eindruck zu erwecken, dass sich nur die Monopolisten gewissenhaft um diesen kümmern könnten. Dabei geht es gerade diesen Unternehmern vor allem um die ständige Steigerung ihrer Gewinne.

Während die Fa. Novomatic gerade davon träumt, die Nummer 1 in der Welt zu werden, hat es sich die Casino Austria zur Aufgabe gemacht, die Einsatzgrenzen der Spielautomaten so hoch zu schrauben, dass auch Millionäre oder sogar Milliardäre richtig abgezockt werden können. Da bleibt für Spielerschutz nicht gerade viel Platz.

"Für internationale Highroller-Gäste wurde ein Automatenraum im Dachgeschoss des Wiener Casinos eröffnet, im dem pro Spiel bis zu € 1.000,00 am Automaten gesetzt werden können", betont Direktor Deninger stolz.

Wie hoch sind jetzt aber die Höchsteinsätze bei den Automaten, zu denen alle Spieler Zugang haben? Während für Millionäre und Milliardäre die Einsatzgrenze bei € 1.000,00 pro Spiel liegt, traut das Casinomanagement einem "normalen" Spieler zu, unter dem Deckmantel "Spiele mit Verantwortung", auf Automaten mit bis zu € 400,00 (!) Einsatz pro Spiel zu spielen!

Da gerade spielsüchtige Menschen bei Verlusten automatisch ihre Spieleinsätze erhöhen, um vielleicht doch noch ihr Geld zurückzubekommen, ist diese Höchstgrenze höchsat unverantwortlich. Der Spieler wird weder durch eine Spielerkarte, noch durch einen Hinweis auf die Auszahlungsquoten der Spiele geschützt. Eine nichtssagende Gewinnkurve, die am Automaten angebracht ist, und sonderbarerweise für alle Spiele gleich gilt, soll anscheinend über diese Missstände hinwegtäuschen.

Auch die österreichischen Lotterien erhöhen ständig den Druck auf ihre Spieler. Aus einer Lottoziehung pro Woche wurden zwei, aus Lotto wurde Lotto und Eurolotto, aus einem Joker wurden bis zu zehn. Mit zusätzlichen Sternenzahlen wurde die Jackpothäufigkeit erhöht, da die Betreiber genau wissen, dass bei höheren Jackpots die Einsätze der Spieler enorm steigen. Zu guter letzt wurde jetzt auch noch das Spiel Lotto-Plus eingeführt, dass den Spieler nahezu nötigt, noch einen Einsatz zu tätigen, um nicht als Dummer da zu stehen, sollten seine Zahlen doch noch in der zweiten Ziehung gezogen werden.

Die Trafikanten werden von den Lotterien angewiesen, Spieler zur Teilnahme am Spiel Lotto-Plus zu überreden und die, die das am besten können, werden dann auch noch mit Geschenken belohnt.

So kam dann auch noch zum Brieflos (€ 1,--) das Super-Brieflos (€ 2,--) und das Mega-Brieflos (€3,--), zum Rubbellos Cash (€2,--) das Rubbellos Super-Cash (€3,--) oder gleich ein Rubbellos "Frohe Weihnachten" (sagenhafte € 5,--).

Die Werbung dieser Unternehmer ist schon so unerträglich geworden, dass es für gefährdete Spieler schwer ist, sich den ständigen Gewinnversprechen zu entziehen. Da wartet ein Jackpot mit 5 Millionen Euro, dort wartet ein Jackpot mit 100 (!) Millionen Euro - hat er heute schon gerubbelt, oder glaubt er gar nicht mehr an sein Glück?

Die Fa. Novomatic hingegen fordert ihre Gäste auf einer Werbetafel in ihren Filialen sogar direkt dazu auf, Freunde anzuwerben, um dann gleich den doppelten Bonus zu kassieren. Ob das bei einem so heiklen Thema wie Glücksspiel als Monopolist noch zu vertreten ist?

In der Spielstätte selbst erhält der Spieler zwar eine Spielerkarte, die er im Unterschied zu den Casinos auch in den Automaten stecken muss, um diesen in Betrieb zu nehmen, bei Spieleinsätzen von € 5,-- bis € 10,-- in der Sekunde und möglichen Verlusten von bis zu € 600,-- in der Minute ist es dann mit dem Spielerschutz aber auch gleich wieder vorbei.

Zu guter letzt wird dann auch soviel Geld wie noch nie im Internet verspielt, ohne Kontrolle und für alle Spieler überall und jederzeit verfügbar.

Wie soll es einen echten Spielerschutz geben, wenn es so hohe Spieleinsätze gibt und die Betreiber untereinander nicht vernetzt sind? Wie kann ein Spieler in einem Casino Millionen Euro verspielen und es fällt den Mitarbeitern nicht einmal auf? Wer schützt dann kleinere Spieler, die nicht so viel Geld haben?

Nur ein faires Gesetz, das auch den kleinen Anbietern wieder Rechtschutz gewährt und ein "kleines Glücksspiel", das seinen Namen verdient (Höchsteinsatz € 1,-- und Höchstgewinn € 1.000,--, sowie eine Verlustobergrenze pro Stunde), kann Spieler nachhaltig schützen und einen illegalen Markt verhindern. Dieses wäre, zur Freude fast aller, auch noch zu 100% im Sinne der europäischen Dienstleistungsfreiheit und aller Spieler!

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Robert |

Novomatic-Admiral muss sich vor dem Spieler schützen. Frechheit!!!

Kommentar von Kleiner Autoamtenaufsteller |

Spielerschutz ist wohl das meist strapazierte Wort um Quasi-Monopole zu rechtfertigen! Die 'Spielsucht' hat sich nicht geändert, lediglich verlegt, so übereinstimmend zahlreiche Erkenntnisse. Die zu unkonzessionierten Anbietern abgewanderten Spieler müssen wieder in geregelte Märkte gelenkt werden. Ein neues 'kleines Glücksspiel' mit kleinen Einsätzen, hohem Unterhaltungswert und niedrigem Suchtpotentzial ist unumgänglich. Eine dritte Ebene unter den Kasinos und Landesausspielungen für Spieler die diese nicht annehmen. JEDE QUALIFIZIERTE FIRMA MUSS DIE REELE CHANCE AUF EINE KONZESSION HABEN.
Nicht zu vergessen, eine absolut notwendige Maßnahme, dem Gastwirtesterben entgegenzuwirken sowie um Klein- und Mittelbetrieben zu fördern.
Es muss VERÄNDERUNG geben, die jetzige Situation IST NICHT FAIR.

Kommentar von franz |

Novo zahlt sicherlich keine Schmiergelder, da die gesetzeswidrig wären und wir eine Korruptionsbekämpfüngsstaatsanwaltschaft haben.
Die Gesetze wurden rein zufällig zu Novogunsten beschlossen & auch mit der gut zusammenarbeitenden Finanzpolizei überwacht.
Sind wir doch glücklich in so einem Staat zu leben, wo alles korrekt abläuft. (bearbeitet)

Mobile Navigation Anzeigen
Mobile Navigation Ausblenden