Der Glawischnigomat

Im Netz spielt es sich ab wie zu kaum einem Thema. Die Empörung über Glawischnigs Wandel ist groß und wird deutlich gezeigt.

Ihr erstes Interview nach ihrem Abgang vor 8 Monaten bei Fellner (siehe Link unten) ist eine Lobeshymne auf die Novomatic. Den Konzern-Chargon hat Glawischnig auch schon intus. Da ist etwa von "Entertainment", von "Responsible Gaming" und von "Steakholdern" die Rede. Nun ja, als Head of Corporate Responsibility muss das wohl sein. Neumann wird von ihr als integere Person (siehe dazu der unten stehende Link), ihre Aufgabe wird es künftig auch sein, mit Behördenvertretern intensiven Kontakt zu pflegen, so Glawischnig.

Zu Ihrem Sinneswandel befragt gab sie quasi an, seit 2010 habe sich bei Novomatic einiges geändert und jeder Automat sei beim Bundesrechenzentrum angeschlossen. Dass es aber möglich ist, in nur zwei Stunden beim neuen Kleinen Novomatic Glücksspiel € 72.000,00 in einzusetzen, davon sprach sie nicht.

Glawischnig wusste schon immer, dass alle Automaten beim Bundesrechenzentrum angeschlossen sind. Dieser Anschluss dient aber in erster Linie nicht dem Spielerschutz, sondern der Kontrolle der Abgabenabfuhr.

Beispielsweise wurde in der Nationalratssitzung vom 16.10.2010, in der das neue Gesetz beschlossen wurde, intensiv über das Glücksspielgesetz diskutiert.

Der (damals) Grüne Peter Pilz führte damals unter Beifall der Grünen etwa aus: 

"Wir haben jetzt mit dem Gesetz, das heute beschlossen werden soll, für Spielerinnen und Spieler eine äußerst gefährliche Situation: Wir haben zwar eine Verbesserung — Spieler und Spielerinnen müssen sich ausweisen, und wenn sie nicht das Mindestalter von 18 Jahren erreicht haben, kommen sie nicht mehr ins Automatencasino hinein —‚ aber drinnen gilt keine einzige Regel mehr. Die Abschaltregel — dass sich der Automat nach zwei Stunden abschaltet — hat sich in den Beratungen des Finanzausschusses als sinnlos erwiesen, weil wir draufgekommen sind: Nach einer Minute schaltet er sich wieder ein! Das heißt, der Spieler, der vor seinem Lieblingsautomaten sitzt, muss sich nicht einmal überlegen: Gehe ich zum Nachbarautomaten und spiele dort weiter?, sondern er sagt: Ich nehme das gratis alkoholische Getränk der Firma Novomatic, mache einen Schluck und spiele an dem Apparat weiter und kann in den nächsten zwei Stunden (wieder bis zu 72 000 €) einsetzen. — Das alles ist möglich."

Die Grüne Dr. Moser führte aus:

"Wir lehnen dieses Gesetz ab, denn es hätte ja einen Weg gegeben. Es hätte den Weg Norwegen gegeben. Norwegen hat eine systematische Beschränkung vorgenommen, zwar die Legalisierung durchgeführt, den Wochenverlust allerdings mit 250 € limitiert. Und was machen Sie? — Sie limitieren den Zweistundenverlust mit 72 000 €‚ falls ich das richtig in Erinnerung habe! Da klaffen ja Welten dazwischen: Norwegen 250 € in der Woche, bei uns alle zwei Stunden 72 000 €. Das ist Ihr Glücksspielgesetz! Und was Sie damit an sozialen Problemen, an finanziellen Problemen, auch an Behand-lungsproblemen lostreten — bitte, das liegt in Ihrer Verantwortung, Herr Staatssekretär."

Die Haltung der Grünen unter der Verantwortung von Eva Glawischnig war also eine klare Ablehung der GSpG-Novelle 2010 und der Profiteure dieses Gesetzes, sprich der Novomatic.

Wie kommt es nun, dass Glawischnig ausgerechnet bei Novomatic anheuert?

Vor genau einem Jahr war auf der Novomatic zuzurechnenden Homepage www.spieler-info.at zu lesen, dass Peter Barthold (zur Erinnerung: die Wirtschaft- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt derzeit, weil Barthold für Novomatic Geldbotes gewesen sei) prominente Unterstützer für sein Anliegen bekommen habe: Eva Glawischnig und ihren Ehemann. 

Dort ist auch zu lesen, dass Peter Barthold nach eigenen Angaben Dr. Eva Glawischnig beinahe jeden zweiten Tag getroffen habe unter anderem in ihrer Privatwohnung. Dr. Eva Glawischnig-Piesczek soll – lt. Barthold – ihm bestätigt und versprochen haben, dass sie Informationen in Zusammenhang mit einer Parteienfinanzierung und Politikerbestechung durch die Novomatic-AG umgehend über die Delegations-Leiterin der Österreichischen Grünen im Europaparlament und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Mag. Ulrike Lunacek, EUROPA- und WELTWEIT verbreiten würde, damit der Novomatic-Konzern international KEINE Lizenzen mehr erhalten werde bzw. dass ihm bestehende Lizenzen entzogen werden.

Vielleicht war Glawischnig vor ihrer Anstellung beim Glücksspielkonzern tatsächlich bereits in diese Richtung initiativ? Und vielleicht sollte ihre Anstellung das Ziel haben, dass man ihr diesbezügliches Engagement nicht mehr ernst nimmt? Nach dem Motto: Wenn DIE GRÜNE selbst bei Novomatic arbeitet, kann es so schlimm wohl nicht gewesen sein...

Was auch immer die Beweggründe waren, eines ist sicher: Novomatic hat es aus Strategie gemacht und Glawischnig hat damit ihre Reputation verspielt. Wobei damit passt sie wieder zu ihrem neuen Arbeitgeber.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Mobile Navigation Anzeigen
Mobile Navigation Ausblenden